Überhaupt habe ich als Kind nie was gekriegt, auch das Pferd und die dreieckige Bettdecke nicht. Nicht mal die Batman-Maske, denn ich hatte meine Batman-Kuhpongs in einem Brief und nicht auf eine Postkarte geklebt verschickt. Das, oder Ehapa bescheißt kleine Mädchen. Möglich wär's, damals waren wir ja alle in Endzeitstimmung,
eine Rakete pro Kopf usw. Dennoch hätte es schlimmer kommen können, wenigstens war ich kein Schmuddelkind. Die hat man daran erkannt, daß sie nicht den Originalwürfel hatten, sondern billige Imitate, grausige weiße Dinger mit Farbpunkten statt -flächen. So war der Weg dieser armen Seelen schon frühzeitig vorgezeichnet; ich weiß nicht, ob den Eltern das dereinst klar war. Zeig mir Deinen Würfel, und ich sag Dir, wer
Du bist!
Jedenfalls, ich hatte den Originalwürfel und das Jojo das aussah, als wäre es ein Rennautorad. Hula-hoops waren schon lange "out." Apropos
out, kann bitte mal jemand der "Bild"-Zeitung sagen, dass etwas nur
out sein kann, wenn es vorher mal
in gewesen ist? Ich kann mir bei deren
in + out immer nicht vorstellen, daß die Sachen aus der Out-Liste (
"schweißnasse Hände") jemals
in waren.
Ich hatte auch mal so ein Telespieldingsie, eine Art früher Gameboy, mit dem man ein einziges festverdrahtetes Spiel spielen konnte. Das war aber kein Statussymbol, sondern beinahe anrüchig. Noch komischer waren Computer. Und noch viel komischer war es, als sie das plötzlich nicht mehr waren. Die erste Plakatwerbung für PCs erschütterte meine Welt.
Überhaupt hätte die Welt ja niemals so lange halten dürfen. Man hatte uns damals versprochen, daß uns "die Amis" oder die Russen wegsprengen würden, oder beide zusammen -- nuklear, versteht sich --, und daß wir ansonsten ja noch unsere AKWs hätten. Wir waren ja keine nuklearen Bittsteller, die sich nicht selbst wegsprengen konnten, wenn Not am Mann war. Auf unserem Ranzen klebte "
Atomkraft -- nein danke" neben "
Frieden schaffen ohne Laffen", während wir gegen Tierversuche demonstrierten. Bausparverträge hatten wir nicht -- wozu auch? Die Welt würde untergehen, bevor wir dreißig würden. Zudem, was sollten Weltenbummler, die wir ja zweifelsohne werden würden, mit einem festen Wohnsitz?
Live fast, die young. Today., so sagte man damals. Vor allem sagte man das auch, wenn man gar nicht
goth war. Wir erinnern uns: mit dreißig mußte man fertig sein, länger würde die Welt nicht halten. Nur, was macht man denn, wenn man dreißig ist, mit allem fertig, und plötzlich ist die Welt noch da? Klar, man kann immer von Briefpost auf e-mail oder
gebrauchte Nadeln umsteigen (die Kinder von heute haben alle Computer und spritzen Haschisch -- klar, ein Rechner pro Kopf wiegt ja schließlich einiges). Aber so richtig bringen tut's das nicht.
Überhaupt ist nichts mehr wie früher. Gerüchteweise ist
Catwoman jetzt bei den guten. Das geht doch nicht! Einige Konstanten vermag ich jedoch zu erkennen -- Batman-Comics gibt es immer noch, und Rainman-Comics gibt es immer noch nicht. Und Steely Dan und die Undertones gibt es
wieder, nach jeweils zwanzig Jahren Pause. Vermutlich konnten sie das Trauerspiel zeitgenössischer Musik nicht unwidersprochen im Raum
kakophonieren lassen.
Vermutlich wäre all das nicht deutlich anders verlaufen, hätte ich den Rubikglobus besessen.
Rubikweltherrscherin ist ja nichts, was man sich auf die Geschäftskarten drucken lässt. Bestenfalls hätte T'Pau einen Song über mich gemacht. In jedem Fall aber hätte ich keinen Aufhänger für diese Kolumne gehabt.