Apropos Religion. Das Erzbistum Köln bietet an:
Ohne Religion leben. Das ist unerwartet, aber nicht unbedingt schlecht. Nach dem, was da jüngst wieder im Namen
verschiedener Religionen verzapft wurde, ist der Gedanke so abwegig nicht. Da würde ich mich dann wohl auch für meine Glaubensgenoss
innen schämen, wenn ich da Mitglied wäre. Jedenfalls in sinnvollem Rahmen, aus der Scham gleich wieder eine neue Religion zu machen (soll ja schon vorgekommen sein …), scheint mir auch wieder verfehlt, ich bin ja kein Scham-Hare Krshna. Har, har.
Muss man auch nicht unbedingt sein. (Wer sagt da "blindes Huhn"?)

Im
Umfeld von "Religion und Nerv" außerdem:
Miss France. Hatte dereinst nicht viel Glück, dazu weitere Informationen zu finden. Da fragt man sich dann wieder, wie das zu sehen ist? Ente? Under-reported? Oder hat man einfach darauf verzichtet, ein paar einzelnen Idioten
credibility
zu geben, indem man über ihren Unsinn gross berichtet? In den Nachrichten war heute so ein Schriftstellertypie zu sehen der meinte, eine Freundin von ihm wohne gegenüber einer der angegriffenen Botschaften (die dänische, IIRC), und habe überhaupt nichts mitbekommen von dem Übergriff. Das macht die Sache nicht weniger albern, und anekdotische Beweisführung ist es auch, aber andererseits schien mir die gezeigte Täterhorde nun so gross auch wieder nicht. Den Anfängen wehren? Oder sich damit abfinden, daß es ein immer paar Irre geben wird? Man kommt sich doch vor wie in einem besonders bösartigen Kindergarten.
Blödzeitung, Du sollst Deinen Bruder nicht ärgern! Islamisten, vielleicht wollt Ihr Euch mal nicht so aufregen wenn andere auch mal das tun, was Ihr dauernd tut. Und jetzt gebt Euch die Hand und haltet die Fresse!
—
I feel like I am taking crazy pills!
Falls man nicht vorhatte, die Europäer gegen sich aufzubringen: es klappt trotzdem. Ob das der Sinn der Provokation (in Hinblick auf kommende Kriege) war, mögen Berufenere als ich entscheiden. Vielleicht noch soviel: dass eine Mehrheit der Deutschen sich grundsätzlich
gegen religiöse Karikaturen aussprachen, wirft auch nicht gerade ein gutes Licht auf erstere. Jemanden wegen Hautfarbe, Geschlecht oder anderen Merkmalen auf die die Person eher wenig Einfluss hat zu diskriminieren, ist so weit daneben, daß wir nicht drüber reden müssen. Hoffentlich. Religion hingegen ist etwas das man sich aussucht, und solche Entscheidungen müssen hinterfragbar und auch kritisierbar bleiben.


Was war gut am Fest? Habe Handtasche geschenkt bekommen. Ich wollte ja schon lange eine haben, beugte mich aber bisher dem Diktat bzw. Gruppendruck meiner Freundinnen, die das
omig
fanden. Gut, Rucksack ist auch prima, aber man möchte ja ein bißchen
variety
haben. Schon gleich gerade, wenn man beim Kunden nicht mit einem Plüschleopardrucksack aufschlagen will. Das geht als 17-jährige Prostituierte, aber nicht wenn man 28 ist (oder sogar
noch älter!) und Consultant. Bordeaux, lila, irgendwie sowas, soviel war klar, als ich zehn Minuten totschlagen mußte und mich des Handtaschenwunsches entsann. Die erste Kandidatin (links) fiel umgehend durch, nicht ordentlich tragbar, innen bescheuert aufgeteilt, zu klein. Dann jedoch fiel mein Blick auf die zweite Kandidatin.
Schick!
Das war mein erster Gedanke. Mein
zweiter Gedanke, vor allem anderen, war:

Klasse, da passt genau eine 1911A rein! Und ein Reservemagazin!
(Vermutlich liegt es an solchen Gedanken, daß mir manche meiner Bekannten nicht mehr den Rücken zudrehen.) Dafür will ich mich aber nicht weiter schämen; manchmal trifft frau einfach auf eine Waffe, die so schön ist, daß man weinen möchte. Die
Kimber Gold Combat RL II zum Beispiel. Trotzdem muß man bei aller Liebe sagen: damit wäre die Tasche dann auch praktisch voll. Wenn frau noch anderes Original-Damengerümpel mitführt (also die übliche Auswahl aus Sonnenbrille,
RAZR, "Pille" und Ausweis, so, jetzt isses raus!), dann will sie vielleicht auf eine
PP oder PPK ausweichen. (Auf mein Augenmaß bin ich trotzdem stolz; damit habe ich außerdem letztens am Berg geparkt. Parallel. Im Dunkeln. Bei Schnee. In ein ganz kleines Loch. Vermutlich ist bei mir irgendsoein Gen-Dingsie verbogen. : )

Trotzdem muß man sich natürlich fragen lassen:
Tut das denn nötig?
Also, von der
terrorist scare
ganz ab, schließlich wohne ich ja nicht in einer Botschaft. Und da muß man sagen: In Karlsruhe z.B. tut es das vermutlich nicht. Ich habe noch nie eine Stadt gesehen, in der man sich so mit Polizei zuschmeißen kann. Als ich vor langer Zeit in Hamburg wohnte, fand ich es immer ganz angenehm, mal Polizei zu sehen. (Diese Aussage war nicht sehr populär bei meinen
linken Freunden. Die wußten nicht, daß ich überdies auch
Freunde bei der Polizei hatte.) Teile von Hamburg waren ein übles Pflaster, und manchmal dachte "man" schon:
Och, könnte ruhig ein bißchen mehr Polizei sein.
In Karlsruhe denkt man das nicht. In Karlsruhe sieht man jeden Tag Polizei, egal, ob man durch die Fußgängerzone latscht, irgendwo langfährt, oder den ganzen Tag zu Hause rumhängt und nur mal aus dem Fenster sieht. Das überschreitet für mich gefühlsmäßig klar die Grenze von
beschützt
und
bewacht
zu
überwacht
und
gegängelt
. Ich habe da offenbar eine Schmerzgrenze, und Karlsruhe nervt. In dieser Beziehung zumindest. Die Polizisten/Bürger-Ratio ist klar kaputt.
(Das Photo ist übrigens deshalb so scheiße geworden — unscharf, und die Hälfte der präsenten Freunde und Freundinnen, Helfer und Helferinnen ist gar nicht drauf — weil ich (angemessen?) eingeschüchtert war und die nicht offen photographieren mochte. Vor Schreck habe ich die Kamera falsch bedient. Hatte ich was zu verbergen? Nö. Aber wenn die mich für eine subversive Polizist(inn)enphotographiererin gehalten hätten, hätten die mich womöglich kontrolliert. Potentiell subversiv, ich und mein Auti. Und selbst wenn das 1a in Ordnung ist, und ganz sicher weiß man das trotz Scheckheftpflege ja nie (
Und wenn sie was finden wollen
, sagt man …), ist man trotzdem durch die Prüfung unnötig genervt. Hatte ich jedenfalls keinen Bock drauf. Polizei, feine Sache, aber bitte in geeigneten Stärken. Die Menge macht das Gift, Frieden schaffen ohne Affen, Haare waschen oder Naschen.)